Exkursion

Der Geschichtsverein begibt sich auf Zeitreise

Zu einer geschichtsträchtigen Tagesexkursion sind nun 47 Mitglieder des Geschichtsvereins Besigheim in Ellwangen gewesen. Unter dem Thema „Den Fürstpröpsten auf der Spur“ ging es, begleitet von einer Stadtführerin, zurück ins Jahr 764, in dem der heilige Hariolf und sein Bruder Erlolf während der sogenannten Klosterzeit nahe dem heutigen Ellwangen die erste Benediktinerniederlassung im dortigen Raum gründeten.
Das Kloster gewann rasch an Bedeutung, war zeitweise von mehr als 100 Mönchen bewohnt und galt insbesondere im 10. Jahrhundert als sehr reich, erfuhren die Besigheimer Geschichtsvereinler. In seiner Blütezeit wuchs nicht nur das Kloster, sondern auch die bürgerliche Siedlung daneben zur Stadt Ellwangen. Die heute den Stadtkern prägende Basilika St. Vitus entstand in den Jahren 1182 bis 1233 und gilt als die bedeutendste romanische Gewölbebasilika Schwabens. Die Außenfassade ist weitgehend originale hochmittelalterliche Architektur, während der Kirchenraum in den Jahren 1661/62 tiefgreifend umgestaltet, barockisiert sowie im 18. Jahrhundert dem Zeitgeist entsprechend mit modernen Rokokoformen aufgehübscht wurde. Der gotische Kreuzgang aus dem Jahr 1470 und die angebaute evangelische Stadtkirche durften bei der Besichtigung nicht fehlen.
Weiter ging es zum Alamannenmuseum. Archäologische Originalfunde aus Süddeutschland bieten einen Überblick über fünf Jahrhunderte alamannischer Besiedlung vom 3. bis zum 8. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht das nahegelegene Lauchheim, wo bei Grabungen vor etwa 30 Jahren der größte alamannische Friedhof mit wertvollen Grabbeilagen sowie zugehörige Siedlungen entdeckt wurden. In der gegenwärtigen Sonderausstellung wurde den Besigheimern der Alamannenbegriff und dessen entscheidender Bedeutungswechsel zu irreführenden Verwendungen mit teilweise fatalen Auswirkungen in der jüngeren deutschen Geschichte erläutert. Sie erfuhren auch, dass man als Alamannen germanische Stämme bezeichnet, die sich nach dem Fall des Limes in den von den Römern verlassenen rechten Oberrheingebieten niederließen. Demgegenüber ist das Alemannische eine bis heute existierende lebendige Sprach- und Brauchtumskultur, die sich vor allem in Süddeutschland über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat.
Zum Abschluss stand eine Besichtigung des fürstpröpstlichen Schlosses ob Ellwangen an. Um das Jahr 1200 zunächst als Burg erbaut und im 17. Jahrhundert zu einem Schloss umgebaut, residierten die ab dem Jahr 1460 ansässigen Fürstpröpste. Der Fürstpropst war geistlicher und weltlicher Herrscher mit eigenem Territorium, Regierung und Hofhaltung und hatte als unmittelbarer Reichsfürst auch politisches Gewicht in der Reichskirche. Nach der Säkularisierung 1802/03 residierte hier kurzzeitig der spätere König von Württemberg, Friedrich I. Das Schloss befindet sich heute im Besitz des Landes Baden-Württemberg. In den Prunkräumen und Appartements der Fürstpröpste ist das Schlossmuseum des Geschichts- und Altertumsvereins Ellwangen eingerichtet. Unter anderem besichtigten die Besigheimer Teile des Kirchenschatzes, eine Vielzahl von Porzellan der früheren Schrezheimer Fayence-Manufaktur und eine Puppenstubenausstellung.                           
Erwin Ruff

Bild: Die Teilnehmer beim Start der Führung vor der Basilika St. Vitus

Zum Thema „Alamannen“ gibt es in der MEDIATEK einige Bücher/Veröffentlichungen. Eine Übersicht finden sie im folgenden PDF-Dokument.    Mediathek-Alamannen

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Mitglieder forschen

Martin Haußmann berichtet von seiner Forschung über Pfründ- und Pfarrhäuser in Besigheim

Der Stammtisch des GVBs findet einmal im Jahr statt. Im kleinen Kreis berichtet ein Vereinsmitglied von seinen Forschungen. Bis auf den letzten Platz gefüllt, konnte der Erste Vorsitzende Jürgen Groß am 30. Januar 2019 die Zuhörer dazu im Kramers Bauernschänke begrüßen. Hier war vor genau 40 Jahren der Geschichtsverein gegründet worden. Ehrenmitglied Martin Haußmann berichtet über die Pfründ- und Pfarrhäuser im mittelalterlichen Besigheim. Pfründe waren Geld- und Vermögenswerte, die den Unterhalt des Inhabers eines kirchlichen Amtes sichern. Die Pfründhäuser hatten immer auch Wirtschaftsgebäude. Die Stifter bzw. deren Erben blieben jedoch die Eigentümer der Pfründe. In den katholischen Kirchen gab es Altäre, die mit Diensten verbunden waren. Dazu sollte der Geistliche im Sinne des Stifters Gebete sprechen, Messen lesen und den Heiligen dessen Fürbitten nahe bringen. Ganze Adelsgeschlechter, z.B. die Badener, Hohenloher und Württemberger schufen Pfründe. In Reichsstädten vergaben auch Zünfte Pfründe. Nach der Reformation wurde das Pfründwesen aufgehoben und in Besigheim gab es nur noch zwei Geistliche. Das Kirchengut wurde aufgelöst und vom Landesherrn in die eigene Kirchengutsverwaltung überführt. Diese detaillierten Auflistungen ermöglicht heute die Forschung in diesem Bereich. Die ehemaligen Pfründhäuser wurden dann oft als Häuser für die Geistlichkeit benutzt. In der Pfarrgasse, Schulbrunnengasse, Amtsgerichtsgasse und Kirchstraße sind über die Jahrhunderte verschiedenste Pfründhäuser nachgewiesen worden. Seit dem 17. Jahrhundert waren die Diakone in der Pfarrgasse 20 untergebracht ehe das heutige „alte“ Pfarrhaus im 18. Jahrhundert (1774) in der Pfarrgasse 24 erbaut wurde.

Sommerfest 2018 beim Nachbarn

Der Geschichtsverein Besigheim auf Schloss Liebenstein

Es ist schon zu einer Tradition geworden, dass der GVB sein Sommerfest in einer Nachbargemeinde feiert. Frank Merkle M.A. war noch in der Woche zuvor auf der Suche nach weiteren Informationen gewesen. Jede neue Information bedeutet für den Historiker und Germanist Merkle, dass er seine Suche ausweiten kann. Seinen Gästen aus Besigheim vermittelte er bei zwei 90minütigen Führungen einen Eindruck davon, wer – wann – mit wem – in welchem Teil des Schlosses, der oberen oder unteren Burg – gelebt hat und wie die Verwandtschaft oder die Glaubenszugehörigkeit oder der Schwur auf einen Herrscher das jeweilige Verhalten geprägt hat.
Im 13. Jahrhundert gab es den Konflikt zwischen dem Stauferkaiser Friedrich II und seinem Sohn König Heinrich VII, der evtl. den Ausbau von Liebenstein als Reichsburg zwischen den Burgen des kaisertreuen Badener Markgrafen von Baden, Lauffen und Besigheim, vorantrieb. Friedrich II. lässt sogar seine Sohn Heinrich inhaftieren, begnadet ihn nicht und Heinrich stirbt im Gefängnis. Im 16. Jahrhundert gibt es mehrere Faktoren, die sich günstig auf die Entwicklung von Liebenstein ausgewirkt haben könnten. Die Verwandtschaft des Burgherren mit dem Erzbischof von Mainz und  Herzog Ulrichs Streit mit den Habsburgern und seinen daraus resultierenden Hoffnungen, dass er  aus dem Bauernkrieg Vorteile ziehen könnte.
Das Fazit für die Teilnehmer war, dass trotz allem, was man über Liebenstein zu wissen glaubte, jeder doch wieder zahlreiche neue Informationen erhalten hat. Zwischen den Führungen war Zeit für Kaffee und Kuchen und Abends für ein gemeinsames Essen eingeplant, so dass die neuen Erkenntnisse diskutiert werden konnten.