Besigheimer Geschichtsblätter – Heft 35 – Das Besigheimer Rathaus 1459-2019

Der Vorsitzende des Geschichtsvereins Besigheim Hans-Jürgen Groß überreichte am 16. Dezember Bürgermeister Steffen Bühler die neueste Ausgabe der Besigheimer Geschichtsblätter, in der Dieter Schedy über die 560-jährige Geschichte des als Markthalle erbauten Fachwerkgebäudes berichtet. Im November 1459 gab Markgraf Karl I. dem Bauantrag statt: „Die Stadt Besickheim mögen bauen ein Kaufhaus auf Wunsch der Besigheimer ganz aus freien Stücken in erster Linie ein Kaufhaus, das vorne am Markt anstoße und hinten auf der Enzmauern aufliege.“ 

Das Heft ist beim Geschichtsverein und bald auch in den Besigheimer Buchhandlungen erhältlich.


Vortrag zur Geschichte über den Mord am Bönnigheimer Bürgermeister und dem Besigheimer Ermittler.

Am 18. Februar 2019 fand im Steinhaus ein Vortrag von Ann Marie Ackermann zu der historischen Begebenheit statt. Hinterlegt mit projizierten Bildern von alten Dokumenten beschrieb die Vortragende die von ihr zusammengetragenen und recherchierten Fakten in interessanter und spannender Weise. Diese hat sie auch in einem Buch veröffentlicht, das es inzwischen auch in deutscher Übersetzung gibt:

Ein Mann aus Stetten a.H. erschießt im Jahr 1835 Johann Heinrich Rieber, den Bürgermeister von Bönnigheim. Er flieht in die USA, um an der Seite Robert E. Lees, des später berühmten Bürgerkriegs-Generals des Südens, zu kämpfen und stirbt dabei an einer Kanonenkugel. 37 Jahre später erreicht die Gemeinde ein Brief eines anderen ausgewanderten Bönnigheimers, der den entscheidenden Hinweis gibt zum noch nicht aufgeklärten Mord.

Ann Marie Ackermann beim Geschichtsverein Besigheim

Neujahrsempfang

Am 19. Januar 2020  fand der traditionelle Neujahrsempfang im Besigheimer Steinhaus statt. Der erste Vorsitzende Hans-Jürgen Groß begrüßte die ca. 100 gekommenen Gäste. In seinem Rückblick auf 2019 nannte er nochmals die Veranstaltung zum 40-jährigen Jubiläum des Vereins als eine sehr gelungene Veranstaltung im Vereinsprogramm. In seinem Ausblick auf das aktuelle Jahr konnte er auf viele anstehende Veranstaltungen hinweisen.

Musikalisch ging es dann mit dem „DUO PALAZZO“ weiter. Dabei wurden Melodien der Zwanziger- und Dreißigerjahre präsentiert. Am Flügel saß Uwe Kohls, der auch dazu sang und Jonathan Beisiegel blies virtuos auf der Trompete. Als literarische Überleitung der Musikstücke zitierte Uwe Kohls Wilhelm Busch, Heinz Ehrhard, Kurt Tucholsky und andere. Seiner Aufforderung mitzusingen kamen die Gäste begeistert nach.

Zum Abschluss der Veranstaltung gab es noch Häppchen, Sekt, Wein und O-Saft zum Anstoßen aufs neue Jahr. Ein Lob gilt wieder dem  Organisationsteam, das diese Veranstaltung möglich machte.

„DUO PALAZZO“

Zur Übergabe des Bildes von Alfred Kollmar veröffentlichte die Stadt Besigheim folgende Meldung:

Stadt Besigheim, 8. August 2019
Herzlichen Dank unserem Geschichtsverein Besigheim,
der unserer Stadt für das Archiv ein Bild geschenkt hat von Alfred Kollmar.
Alfred Kollmar wurde 1886 in Besigheim geboren und gehörte lange Zeit zum Kern einer kleinen Gruppe von Worpsweder Expressionisten.
Er starb 1937 in Worpswede, blieb seiner Geburtsstadt Besigheim aber bis zu seinem Tod verbunden.
Das Bild, das der Geschichtsverein unserem Archiv überlassen hat, trägt den Titel „Frau mit Maske“. /Bü

Vortrag – Die Geschichte des Christentums in der Antike

Er hat schon Tradition, der Vortragsabend, den alljährlich der Geschichtsverein Besigheim und die Evangelische Kirchengemeinde zu kirchlichen Themen mit geschichtlichem Bezug gemeinsam veranstalten.

Das diesjährige Thema am 27. Oktober 2019 war „Die Geschichte des Christentums in der Antike“. Als Referent konnte hierzu der Walheimer Historiker Frank Merkle gewonnen werden. Dass es sich hierbei um ein hoch interessantes Thema handelt, zeigte sich dann am Sonntagabend an der Besucherzahl. Dekan Feucht und der Vorsitzende des Geschichtsvereines Besigheim, Hans-Jürgen Groß, durften zahlreiche Zuhörer im Paul Gerhard Haus begrüßen.

Zum einen befasste sich der Referent mit der Durchsetzung des Christentums im Römischen Reich. Als Hauptgründe dafür, nannte er neben dem Versprechen auf ein Leben nach dem Tod die zweifellos äußerst charismatische Erscheinung Jesu und dessen Predigtinhalte. Besonders hervorgehoben wurde daneben das soziale Engagement der Diakone, da es von staatlicher Seite kaum Sozialleistungen gab. Außerdem ging Herr Merkle auf die intensive Missionstätigkeit ein, die durch die geordneten Verhältnisse im Mittelmeerraum begünstigt wurden.

Auch auf den geistigen Nährboden der Religion ging der Referent ein. Eher griechisch anmutende Vorstellungen innerhalb des Christentums, wie eine Rückkehr aus der Totenwelt (Orpheus) oder das Erdenleben eines Gottessohnes (Herakles) führte der Referent auf die Beeinflussung von Juden in der Diaspora, wie Philon v. Alexandria, durch griechische Vorstellungen zurück. Die Heidenmission sei hierdurch freilich begünstigt worden, während dies für orthodoxe Juden ein Hemmnis darstellte, lautete seine weitere These.

Auseinandersetzungen zwischen Christen und Heiden und die daraus resultierenden Christenverfolgungen, prägten vor allem das 3. „Krisenjahrhundert“ im röm. Reich. Die zentrale Streitfrage sei hierbei gewesen, ob sich die alten Götter von Rom abgewannt hätten, weil es so viele Christen gab, oder ob das Umgekehrte der Fall war.

Über die Richtungskämpfe innerhalb der Kirche referierte Herr Merkle am Ende seines Vortrags. Bereits während der Zeit der Durchsetzung des Christentums als zweite Staatsreligion unter Kaiser Konstantin (313) sowie des Verbots jeglichen heidnischen Götterkultes durch Theodosius (391) kam es zu Auseinandersetzungen, die sich vor allem auf die Frage nach der Natur Christi konzentrierten. In den Konzilien, auf welche er im Einzelnen einging, habe man versucht, diese zu beenden, wobei er auch Abspaltungen wie die der Kopten thematisierte. Außerdem wurde von ihm darauf hingewiesen, dass es zu Gewaltanwendungen gegenüber Heiden kam, wobei er die Ermordung der Philosophin Hypatia hervorhob. Dass das solche Verbrechen aber bereits zur damaligen Zeit auch von Christen kritisiert wurde, erwähnte er ebenso.

Dass eine tendenziell wissenschaftsfeindliche Ausrichtung des frühen Christentums neben anderer Faktoren mit zum Kulturverfall zum Mittelalter hin beigetragen hat, wurde abschließend mit einigen Beispielen belegt. Damit endete ein sehr interessanter Vortragsabend, den die Zuhörer mit langem Beifall bestätigten.    J.G.

  

Exkursion –  Leonberg am 21. September 2019

Auf der kurzen Fahrt war die Vorfreude groß, was man wohl noch Neues erfahren würde. Sogar ein gebürtiger Leonberger war dabei als Gerd Jenner die Besigheimer durch die Stadt führte. Vom Herrscherbrunnen ausgehend, an dem die „Erbhuldigungen“ vom amtierenden Landesherren oder seinem Vogt abgenommen wurden, wurde bei der Stadtführung von bekannten Leonberger Persönlichkeiten und damit verbundenen Bauwerken berichtet.
Nachdem Graf Ulrich I den Stauferkönig Konrad IV verraten und sich dem Papst zugewandt hatte, baute er 1248/49 zu seinem Schutz die gigantische  Festung und gründete damit die Stadt.
Herzog Ulrich ließ im 16. Jahrhundert nach den Bauernkriegen in Leonberg „das Beil fallen“ und bestrafte auf dem Marktplatz seine Kritiker.
Sibylla von Württemberg bezog 1609 ihren Witwensitz in Leonberg. Dort konnte sie sich ihren Wunsch nach Exotischem erfüllen. In ihrem Pomeranzengarten zog die mildtätige Herzogin Pflanzen und stellte daraus Medizin her, die sie ihrem Volk zukommen ließ.
Johannes Kepler verbrachte am Marktplatz seine Jugendzeit und seine Fähigkeiten wurden hier entdeckt. Aber auch der Ehekrieg der Eltern und die Hexenanklage gegen seine Mutter Katharina fanden hier statt.
Friedrich Schillers Mutter las noch vor der Veröffentlichung von „Maria Stuart“ das Werk in ihrem Lesezirkel.
Als im 19. Jahrhundert die Hunderasse „Leonberger“ gezüchtet und diese ein Statussymbol wurde, gelangte damit viel Geld in die Kassen der Bürger.
Weil das Gedächtnis der Stadt, das Rathaus und die Kirche beim großen Stadtbrand 1895 gerettet wurden, besitzt Leonberg eines der besten Archive von Württemberg. Einzigartig in der Kunstgeschichte sind in der Stadtkirche zwei Bilder mit einem lächelnden Jesus.    M.R.

Exkursion – Geschichtsverein besuchte mit der Villa Reitzenstein die Zentrale der Macht

Am 13. Juni 2019 besuchten 30 Mitglieder des Geschichtsvereins Besigheim die Villa Reitzenstein in Stuttgart, wo der Ministerpräsident unseres Landes residiert. Eine Mitarbeiterin des Referats Landesmarketing unterrichtete die Besigheimer bei Kaffee und Kuchen zunächst über die Geschichte der in den Jahren 1910 bis 1913 erbauten Villa. Bauherrin war Helene Freifrau von Reitzenstein, Stuttgarter Verlegerstochter und Witwe des württembergischen Oberhofmeisters Carl von Reitzenstein. In bester Halbhöhenlage lies sie sich auf dem zweieinhalb Hektar großen Grundstück ein herrschaftliches Gebäude errichten und mit den neuesten technischen Errungenschaften ausstatten. Während der Inflationszeit verkaufte sie das Anwesen im Jahr 1921 für 400 000 Goldmark, was einem Siebtel der Baukosten entsprach, an den württembergischen Staat. Die Villa war bereits in der Weimarer Zeit und während des Nationalsozialismus das politische Zentrum des Landes. Nach dem Krieg diente sie kurzzeitig als Offizierskasino der amerikanischen Streitkräfte und von 1945-1947 als Sitz des Ministerrats. Seit 1952 wird sie als Amtssitz des Ministerpräsidenten und Sitz des Staatsministeriums Baden-Württemberg genutzt.

Die Villa wurde im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt, so dass bei der Führung durch das Gebäude die original erhaltenen prächtigen Räume besichtigt werden konnten. Das Foyer hat ein flächendeckendes Fußbodenmosaik aus italienischem Marmor. Die mit Mahagoniholz gestaltete Bibliothek wurde früher als Amtszimmer genutzt und ist heute ein idealer Ort für „Kamingespräche“. Über das Eckzimmer mit einer Vertäfelung aus Palisanderholz und kunstvollen Perlmuttintarsien ging es in den Blauen Salon, dem früheren Musikzimmer der Freifrau von Reitzenstein, der heute für Arbeitsessen im kleineren Kreis genutzt wird. Im Gobelinsaal hängen drei großflächige kostbare flämische Gobelins mit Motiven aus vier Jahreszeiten. Letzter Raum der Führung war der Kabinettssaal, dem eigentlichen politischen Zentrum, wo sich die baden-württembergische Landesregierung zu ihren wöchentlichen Kabinettssitzungen trifft.

Ein besonderer Höhepunkt der Führung war die Anwesenheit des Vereinsmitglieds Matthias „Matt“ Kleinert. Kleinert fungierte unter Ministerpräsident Lothar Späth als Regierungssprecher und stieg nach der Wahl 1984 zum Staatssekretär im Staatsministerium auf. Es war eine wahre Freude, seinen Erzählungen und Anekdoten zu lauschen, wie seinerzeit in der Villa Reitzenstein Landespolitik gemacht wurde.

Bild: Die Exkursionsteilnehmer vor der Villa Reitzenstein

Jubiläum – 40 Jahre Geschichtsverein Besigheim

Am 11. Mai 2019 fand im großen Saal der Alten Kelter ein Festabend statt. 170 Gäste begannen den Abend bei einem Stehempfang. Dann begrüßte der 1. Vorsitzende Hans-Jürgen Groß mit seiner Eröffnungsrede viele Ehrengäste, Gründungsmitglieder und die zahlreich erschienen Mitglieder. In einem Abriss wurde die Geschichte des Vereins und Aktivitäten dargestellt. Zuletzt wurde dann ein vom Geschichtsverein erworbenes expressionistisches Porträtbild, gemalt von Alfred Kollmar der in Besigheim geboren wurde, an die Stadt übergeben.  Ein Grußwort von städtischer Seite wurde von Stadtrat A. Schober, in Vertretung des verhinderten Bürgermeisters, an die Gesellschaft gerichtet. Es folgte ein weiteres Grußwort von der Vorsitzenden des Verbands der württembergischen Geschichts- und Altertumsvereine. Zwischen den Programmpunkten spielte das Saxaphon-Ensemble der Musikschule mitreißende Stücke.

Nun folgte ein Vortrag von Festredner Prof. Dr. Peter Rückert. Das Thema war: Vor 500 Jahren – Herzog Ulrich von Württemberg. Für die Zuhörer wurde eine Zeitspanne beschrieben und mit projizierten Bildern und Skizzen belegt, in der Besigheim eine turbulente Zeit durchmachte und dabei mal zu Baden, dann letztlich zu Württemberg und zwischendurch auch mal zur Pfalz gehörte.

Vor Beginn des Bühnenstücks  „Buschwerk“ von Dein Theater Stuttgart, konnten sich die Gäste bei Häppchen und einem Getränk stärken.

Dem begeisterten Publikum wurde dann ein herzerfrischend komisch-melancholischer Streifzug durch Leben und die Werke von Wilhelm Busch in niedersächsischen Dialekt vorgestellt, was auch die eingefleischten Schwaben zu mehrfachem Zwischenbeifall hinriss.

Exkursion –  Der Geschichtsverein begibt sich auf Zeitreise

Zu einer geschichtsträchtigen Tagesexkursion sind nun 47 Mitglieder des Geschichtsvereins Besigheim in Ellwangen gewesen. Unter dem Thema „Den Fürstpröpsten auf der Spur“ ging es, begleitet von einer Stadtführerin, zurück ins Jahr 764, in dem der heilige Hariolf und sein Bruder Erlolf während der sogenannten Klosterzeit nahe dem heutigen Ellwangen die erste Benediktinerniederlassung im dortigen Raum gründeten.
Das Kloster gewann rasch an Bedeutung, war zeitweise von mehr als 100 Mönchen bewohnt und galt insbesondere im 10. Jahrhundert als sehr reich, erfuhren die Besigheimer Geschichtsvereinler. In seiner Blütezeit wuchs nicht nur das Kloster, sondern auch die bürgerliche Siedlung daneben zur Stadt Ellwangen. Die heute den Stadtkern prägende Basilika St. Vitus entstand in den Jahren 1182 bis 1233 und gilt als die bedeutendste romanische Gewölbebasilika Schwabens. Die Außenfassade ist weitgehend originale hochmittelalterliche Architektur, während der Kirchenraum in den Jahren 1661/62 tiefgreifend umgestaltet, barockisiert sowie im 18. Jahrhundert dem Zeitgeist entsprechend mit modernen Rokokoformen aufgehübscht wurde. Der gotische Kreuzgang aus dem Jahr 1470 und die angebaute evangelische Stadtkirche durften bei der Besichtigung nicht fehlen.
Weiter ging es zum Alamannenmuseum. Archäologische Originalfunde aus Süddeutschland bieten einen Überblick über fünf Jahrhunderte alamannischer Besiedlung vom 3. bis zum 8. Jahrhundert. Im Mittelpunkt steht das nahegelegene Lauchheim, wo bei Grabungen vor etwa 30 Jahren der größte alamannische Friedhof mit wertvollen Grabbeilagen sowie zugehörige Siedlungen entdeckt wurden. In der gegenwärtigen Sonderausstellung wurde den Besigheimern der Alamannenbegriff und dessen entscheidender Bedeutungswechsel zu irreführenden Verwendungen mit teilweise fatalen Auswirkungen in der jüngeren deutschen Geschichte erläutert. Sie erfuhren auch, dass man als Alamannen germanische Stämme bezeichnet, die sich nach dem Fall des Limes in den von den Römern verlassenen rechten Oberrheingebieten niederließen. Demgegenüber ist das Alemannische eine bis heute existierende lebendige Sprach- und Brauchtumskultur, die sich vor allem in Süddeutschland über Jahrhunderte hinweg entwickelt hat.
Zum Abschluss stand eine Besichtigung des fürstpröpstlichen Schlosses ob Ellwangen an. Um das Jahr 1200 zunächst als Burg erbaut und im 17. Jahrhundert zu einem Schloss umgebaut, residierten die ab dem Jahr 1460 ansässigen Fürstpröpste. Der Fürstpropst war geistlicher und weltlicher Herrscher mit eigenem Territorium, Regierung und Hofhaltung und hatte als unmittelbarer Reichsfürst auch politisches Gewicht in der Reichskirche. Nach der Säkularisierung 1802/03 residierte hier kurzzeitig der spätere König von Württemberg, Friedrich I. Das Schloss befindet sich heute im Besitz des Landes Baden-Württemberg. In den Prunkräumen und Appartements der Fürstpröpste ist das Schlossmuseum des Geschichts- und Altertumsvereins Ellwangen eingerichtet. Unter anderem besichtigten die Besigheimer Teile des Kirchenschatzes, eine Vielzahl von Porzellan der früheren Schrezheimer Fayence-Manufaktur und eine Puppenstubenausstellung.                           
Erwin Ruff

Bild: Die Teilnehmer beim Start der Führung vor der Basilika St. Vitus

Zum Thema „Alamannen“ gibt es in der MEDIATEK einige Bücher/Veröffentlichungen. Eine Übersicht finden sie im folgenden PDF-Dokument.    Mediathek-Alamannen

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Mitglieder forschen – Martin Haußmann berichtet von seiner Forschung über Pfründ- und Pfarrhäuser in Besigheim

Der Stammtisch des GVBs findet einmal im Jahr statt. Im kleinen Kreis berichtet ein Vereinsmitglied von seinen Forschungen. Bis auf den letzten Platz gefüllt, konnte der Erste Vorsitzende Jürgen Groß am 30. Januar 2019 die Zuhörer dazu im Kramers Bauernschänke begrüßen. Hier war vor genau 40 Jahren der Geschichtsverein gegründet worden. Ehrenmitglied Martin Haußmann berichtet über die Pfründ- und Pfarrhäuser im mittelalterlichen Besigheim. Pfründe waren Geld- und Vermögenswerte, die den Unterhalt des Inhabers eines kirchlichen Amtes sichern. Die Pfründhäuser hatten immer auch Wirtschaftsgebäude. Die Stifter bzw. deren Erben blieben jedoch die Eigentümer der Pfründe. In den katholischen Kirchen gab es Altäre, die mit Diensten verbunden waren. Dazu sollte der Geistliche im Sinne des Stifters Gebete sprechen, Messen lesen und den Heiligen dessen Fürbitten nahe bringen. Ganze Adelsgeschlechter, z.B. die Badener, Hohenloher und Württemberger schufen Pfründe. In Reichsstädten vergaben auch Zünfte Pfründe. Nach der Reformation wurde das Pfründwesen aufgehoben und in Besigheim gab es nur noch zwei Geistliche. Das Kirchengut wurde aufgelöst und vom Landesherrn in die eigene Kirchengutsverwaltung überführt. Diese detaillierten Auflistungen ermöglicht heute die Forschung in diesem Bereich. Die ehemaligen Pfründhäuser wurden dann oft als Häuser für die Geistlichkeit benutzt. In der Pfarrgasse, Schulbrunnengasse, Amtsgerichtsgasse und Kirchstraße sind über die Jahrhunderte verschiedenste Pfründhäuser nachgewiesen worden. Seit dem 17. Jahrhundert waren die Diakone in der Pfarrgasse 20 untergebracht ehe das heutige „alte“ Pfarrhaus im 18. Jahrhundert (1774) in der Pfarrgasse 24 erbaut wurde.

Sommerfest 2018 – Der Geschichtsverein Besigheim auf Schloss Liebenstein

Es ist schon zu einer Tradition geworden, dass der GVB sein Sommerfest in einer Nachbargemeinde feiert. Frank Merkle M.A. war noch in der Woche zuvor auf der Suche nach weiteren Informationen gewesen. Jede neue Information bedeutet für den Historiker und Germanist Merkle, dass er seine Suche ausweiten kann. Seinen Gästen aus Besigheim vermittelte er bei zwei 90minütigen Führungen einen Eindruck davon, wer – wann – mit wem – in welchem Teil des Schlosses, der oberen oder unteren Burg – gelebt hat und wie die Verwandtschaft oder die Glaubenszugehörigkeit oder der Schwur auf einen Herrscher das jeweilige Verhalten geprägt hat.
Im 13. Jahrhundert gab es den Konflikt zwischen dem Stauferkaiser Friedrich II und seinem Sohn König Heinrich VII, der evtl. den Ausbau von Liebenstein als Reichsburg zwischen den Burgen des kaisertreuen Badener Markgrafen von Baden, Lauffen und Besigheim, vorantrieb. Friedrich II. lässt sogar seine Sohn Heinrich inhaftieren, begnadet ihn nicht und Heinrich stirbt im Gefängnis. Im 16. Jahrhundert gibt es mehrere Faktoren, die sich günstig auf die Entwicklung von Liebenstein ausgewirkt haben könnten. Die Verwandtschaft des Burgherren mit dem Erzbischof von Mainz und  Herzog Ulrichs Streit mit den Habsburgern und seinen daraus resultierenden Hoffnungen, dass er  aus dem Bauernkrieg Vorteile ziehen könnte.
Das Fazit für die Teilnehmer war, dass trotz allem, was man über Liebenstein zu wissen glaubte, jeder doch wieder zahlreiche neue Informationen erhalten hat. Zwischen den Führungen war Zeit für Kaffee und Kuchen und Abends für ein gemeinsames Essen eingeplant, so dass die neuen Erkenntnisse diskutiert werden konnten.

Bild: Die Teilnehmer im Schlosshof bei der Führung