Mitglieder forschen

Martin Haußmann berichtet von seiner Forschung über Pfründ- und Pfarrhäuser in Besigheim

Der Stammtisch des GVBs findet einmal im Jahr statt. Im kleinen Kreis berichtet ein Vereinsmitglied von seinen Forschungen. Bis auf den letzten Platz gefüllt, konnte der Erste Vorsitzende Jürgen Groß am 30. Januar 2019 die Zuhörer dazu im Kramers Bauernschänke begrüßen. Hier war vor genau 40 Jahren der Geschichtsverein gegründet worden. Ehrenmitglied Martin Haußmann berichtet über die Pfründ- und Pfarrhäuser im mittelalterlichen Besigheim. Pfründe waren Geld- und Vermögenswerte, die den Unterhalt des Inhabers eines kirchlichen Amtes sichern. Die Pfründhäuser hatten immer auch Wirtschaftsgebäude. Die Stifter bzw. deren Erben blieben jedoch die Eigentümer der Pfründe. In den katholischen Kirchen gab es Altäre, die mit Diensten verbunden waren. Dazu sollte der Geistliche im Sinne des Stifters Gebete sprechen, Messen lesen und den Heiligen dessen Fürbitten nahe bringen. Ganze Adelsgeschlechter, z.B. die Badener, Hohenloher und Württemberger schufen Pfründe. In Reichsstädten vergaben auch Zünfte Pfründe. Nach der Reformation wurde das Pfründwesen aufgehoben und in Besigheim gab es nur noch zwei Geistliche. Das Kirchengut wurde aufgelöst und vom Landesherrn in die eigene Kirchengutsverwaltung überführt. Diese detaillierten Auflistungen ermöglicht heute die Forschung in diesem Bereich. Die ehemaligen Pfründhäuser wurden dann oft als Häuser für die Geistlichkeit benutzt. In der Pfarrgasse, Schulbrunnengasse, Amtsgerichtsgasse und Kirchstraße sind über die Jahrhunderte verschiedenste Pfründhäuser nachgewiesen worden. Seit dem 17. Jahrhundert waren die Diakone in der Pfarrgasse 20 untergebracht ehe das heutige „alte“ Pfarrhaus im 18. Jahrhundert (1774) in der Pfarrgasse 24 erbaut wurde.

Sommerfest 2018 beim Nachbarn

Der Geschichtsverein Besigheim auf Schloss Liebenstein

Es ist schon zu einer Tradition geworden, dass der GVB sein Sommerfest in einer Nachbargemeinde feiert. Frank Merkle M.A. war noch in der Woche zuvor auf der Suche nach weiteren Informationen gewesen. Jede neue Information bedeutet für den Historiker und Germanist Merkle, dass er seine Suche ausweiten kann. Seinen Gästen aus Besigheim vermittelte er bei zwei 90minütigen Führungen einen Eindruck davon, wer – wann – mit wem – in welchem Teil des Schlosses, der oberen oder unteren Burg – gelebt hat und wie die Verwandtschaft oder die Glaubenszugehörigkeit oder der Schwur auf einen Herrscher das jeweilige Verhalten geprägt hat.
Im 13. Jahrhundert gab es den Konflikt zwischen dem Stauferkaiser Friedrich II und seinem Sohn König Heinrich VII, der evtl. den Ausbau von Liebenstein als Reichsburg zwischen den Burgen des kaisertreuen Badener Markgrafen von Baden, Lauffen und Besigheim, vorantrieb. Friedrich II. lässt sogar seine Sohn Heinrich inhaftieren, begnadet ihn nicht und Heinrich stirbt im Gefängnis. Im 16. Jahrhundert gibt es mehrere Faktoren, die sich günstig auf die Entwicklung von Liebenstein ausgewirkt haben könnten. Die Verwandtschaft des Burgherren mit dem Erzbischof von Mainz und  Herzog Ulrichs Streit mit den Habsburgern und seinen daraus resultierenden Hoffnungen, dass er  aus dem Bauernkrieg Vorteile ziehen könnte.
Das Fazit für die Teilnehmer war, dass trotz allem, was man über Liebenstein zu wissen glaubte, jeder doch wieder zahlreiche neue Informationen erhalten hat. Zwischen den Führungen war Zeit für Kaffee und Kuchen und Abends für ein gemeinsames Essen eingeplant, so dass die neuen Erkenntnisse diskutiert werden konnten.