Geschichtsverein besuchte mit der Villa Reitzenstein die Zentrale der Macht

Am  13. Juni 2019 besuchten 30 Mitglieder des Geschichtsvereins Besigheim die Villa Reitzenstein in Stuttgart, wo der Ministerpräsident unseres Landes residiert. Eine Mitarbeiterin des Referats Landesmarketing unterrichtete die Besigheimer bei Kaffee und Kuchen zunächst über die Geschichte der in den Jahren 1910 bis 1913 erbauten Villa. Bauherrin war Helene Freifrau von Reitzenstein, Stuttgarter Verlegerstochter und Witwe des württembergischen Oberhofmeisters Carl von Reitzenstein. In bester Halbhöhenlage lies sie sich auf dem zweieinhalb Hektar großen Grundstück ein herrschaftliches Gebäude errichten und mit den neuesten technischen Errungenschaften ausstatten. Während der Inflationszeit verkaufte sie das Anwesen im Jahr 1921 für 400 000 Goldmark, was einem Siebtel der Baukosten entsprach, an den württembergischen Staat. Die Villa war bereits in der Weimarer Zeit und während des Nationalsozialismus das politische Zentrum des Landes. Nach dem Krieg diente sie kurzzeitig als Offizierskasino der amerikanischen Streitkräfte und von 1945-1947 als Sitz des Ministerrats. Seit 1952 wird sie als Amtssitz des Ministerpräsidenten und Sitz des Staatsministeriums Baden-Württemberg genutzt.

Die Villa wurde im Zweiten Weltkrieg nicht beschädigt, so dass bei der Führung durch das Gebäude die original erhaltenen prächtigen Räume besichtigt werden konnten. Das Foyer hat ein flächendeckendes Fußbodenmosaik aus italienischem Marmor. Die mit Mahagoniholz gestaltete Bibliothek wurde früher als Amtszimmer genutzt und ist heute ein idealer Ort für „Kamingespräche“. Über das Eckzimmer mit einer Vertäfelung aus Palisanderholz und kunstvollen Perlmuttintarsien ging es in den Blauen Salon, dem früheren Musikzimmer der Freifrau von Reitzenstein, der heute für Arbeitsessen im kleineren Kreis genutzt wird. Im Gobelinsaal hängen drei großflächige kostbare flämische Gobelins mit Motiven aus vier Jahreszeiten. Letzter Raum der Führung war der Kabinettssaal, dem eigentlichen politischen Zentrum, wo sich die baden-württembergische Landesregierung zu ihren wöchentlichen Kabinettssitzungen trifft.

Ein besonderer Höhepunkt der Führung war die Anwesenheit des Vereinsmitglieds Matthias „Matt“ Kleinert. Kleinert fungierte unter Ministerpräsident Lothar Späth als Regierungssprecher und stieg nach der Wahl 1984 zum Staatssekretär im Staatsministerium auf. Es war eine wahre Freude, seinen Erzählungen und Anekdoten zu lauschen, wie seinerzeit in der Villa Reitzenstein Landespolitik gemacht wurde.

Bild: Gruppenfoto der Exkursionsteilnehmer vor der Villa Reitzenstein

40 Jahre Geschichtsverein Besigheim

Am 11. Mai 2019 fand im großen Saal der Alten Kelter ein Festabend statt. 170 Gäste begannen den Abend bei einem Stehempfang. Dann begrüßte der 1. Vorsitzende Hans-Jürgen Groß mit seiner Eröffnungsrede viele Ehrengäste, Gründungsmitglieder und die zahlreich erschienen Mitglieder. In einem Abriss wurde die Geschichte des Vereins und Aktivitäten dargestellt. Zuletzt wurde dann ein vom Geschichtsverein erworbenes expressionistisches Porträtbild, gemalt von Alfred Kollmar der in Besigheim geboren wurde, an die Stadt übergeben.  Ein Grußwort von städtischer Seite wurde von Stadtrat A. Schober, in Vertretung des verhinderten Bürgermeisters, an die Gesellschaft gerichtet. Es folgte ein weiteres Grußwort von der Vorsitzenden des Verbands der württembergischen Geschichts- und Altertumsvereine. Zwischen den Programmpunkten spielte das Saxaphon-Ensemble der Musikschule mitreißende Stücke.

Nun folgte ein Vortrag von Festredner Prof. Dr. Peter Rückert. Das Thema war: Vor 500 Jahren – Herzog Ulrich von Württemberg. Für die Zuhörer wurde eine Zeitspanne beschrieben und mit projizierten Bildern und Skizzen belegt, in der Besigheim eine turbulente Zeit durchmachte und dabei mal zu Baden, dann letztlich zu Württemberg und zwischendurch auch mal zur Pfalz gehörte.

Vor Beginn des Bühnenstücks  „Buschwerk“ von Dein Theater Stuttgart, konnten sich die Gäste bei Häppchen und einem Getränk stärken.

Dem begeisterten Publikum wurde dann ein herzerfrischend komisch-melancholischer Streifzug durch Leben und die Werke von Wilhelm Busch in niedersächsischen Dialekt vorgestellt, was auch die eingefleischten Schwaben zu mehrfachem Zwischenbeifall hinriss.